Mathias Fiedler
aka Slippy Beats / DJ MAUI
Musik war schon immer meine Leidenschaft. Technik irgendwie auch. Und manchmal entstehen die besten Ideen genau dann, wenn beides zusammenkommt.
Ich bin DJ, Musikproduzent, Sounddesigner und Mix Engineer. Und seit einiger Zeit beschäftige ich mich auch wieder intensiver mit der Softwareentwicklung. Aber dazu später mehr.
Meine musikalische Reise begann Anfang der 90er-Jahre. Seit 1994 produziere ich elektronische Musik, zunächst mit Cubase, später mit Logic Pro und seit 2015 hauptsächlich mit Ableton Live. Musikalisch war ich schon immer irgendwo zwischen House, Dance und Pop unterwegs.
Vielleicht kennt mich der eine oder andere noch durch den Avantgarde-Hit „Get Down“ von 1998 oder durch verschiedene Club- und Musikprojekte, an denen ich über die Jahre beteiligt war. Veröffentlichungen gab es unter anderem auf Dance Of Toads und natürlich auch auf Beatport.
Über 27 Jahre habe ich aktiv als DJ aufgelegt, unzählige Nächte hinter den Decks verbracht und dabei so ziemlich alles erlebt, was das DJ-Leben zu bieten hat. Heute lege ich nur noch gelegentlich auf. Nicht, weil mir die Musik weniger bedeutet, sondern weil sich meine Interessen mit der Zeit einfach etwas verschoben haben.
Mein Herz schlägt mittlerweile vor allem für die Musikproduktion, das Sounddesign und alles, was technisch dahintersteckt.
Musiker ja. Komponist? Eher nicht so.
Ich muss an dieser Stelle etwas gestehen: Ich war nie der große Songwriter oder klassische Komponist.
Meine Stärken liegen eher darin, Sounds zu entwickeln, Arrangements zu gestalten, Musik zu produzieren und am Ende einen guten Mix daraus zu machen. Ich höre ziemlich schnell, wenn musikalisch etwas nicht funktioniert oder eine Harmonie nicht passt. Aber selbst mal eben die richtigen Akkorde auf dem Keyboard zu spielen? Das war für mich schon immer eine ganz andere Geschichte.
Für solche Dinge habe ich über die Jahre lieber mit Menschen zusammengearbeitet, die das deutlich besser können als ich.
Und genau dieser Umstand sollte später noch eine ziemlich wichtige Rolle spielen.
Vom Counter-Strike-Server zur eigenen Software
Neben der Musik gab es nämlich schon immer eine zweite Leidenschaft: Computer und Technik.
Angefangen hat vieles tatsächlich mit Counter-Strike. Wer damals eigene Gameserver betrieben hat, weiß, dass man sich zwangsläufig irgendwann mit Serveradministration, Konfigurationen, Skripten und allerlei technischen Problemen beschäftigen musste.
So bin ich immer tiefer in die IT-Welt eingetaucht.
Später habe ich mehrere Jahre professionell in der IT gearbeitet und mich unter anderem intensiv damit beschäftigt, Unternehmen bei der Migration ihrer lokalen IT-Infrastruktur in die Cloud zu unterstützen.
Mit Programmierung habe ich mich ebenfalls immer wieder beschäftigt. Allerdings würde ich mich selbst nicht unbedingt als klassischen Softwareentwickler bezeichnen. Ich bin eher jemand, der eine Idee hat, ein Problem lösen möchte und dann so lange daran arbeitet, bis es funktioniert.
Manchmal dauert das eben etwas länger. ;-)
Und dann kam die künstliche Intelligenz ins Spiel.
Plötzlich wurden Dinge möglich, die ich mir vorher zwar vorstellen, aber niemals selbst hätte programmieren können.
Und damit begann eigentlich die Geschichte von musaik.
KI macht vieles möglich. Aber nicht von allein.
An dieser Stelle möchte ich auch ganz offen mit einem Thema umgehen, das bei der Entwicklung von musaik eine ziemlich große Rolle gespielt hat: Künstliche Intelligenz.
Ja, ein Großteil von musaik ist tatsächlich mithilfe von KI entstanden. Und ich habe überhaupt kein Problem damit, das zu sagen. Ganz im Gegenteil.
Ohne die heutigen Möglichkeiten der KI-unterstützten Programmierung hätte ich dieses Projekt in dieser Form niemals umsetzen können. Das ist mir vollkommen bewusst.
Ich bin kein professioneller Softwareentwickler und würde auch niemals behaupten, einer zu sein. Was ich allerdings mitbringe, sind viele Jahre Erfahrung im Umgang mit komplexen technischen Systemen, ein gutes Verständnis für Prozesse und deren Zusammenhänge und natürlich jede Menge Wissen aus der Musikproduktion.
Und genau diese Kombination hat mir bei der Entwicklung enorm geholfen.
Denn wer glaubt, man müsse einer KI nur einen Prompt geben und am Ende kommt eine fertige Software wie musaik heraus, der ist ziemlich auf dem Holzweg. ;-)
Die eigentliche Herausforderung besteht darin, überhaupt zu wissen, was man erreichen möchte, welche technischen Möglichkeiten es gibt und wie die einzelnen Komponenten sinnvoll zusammenspielen müssen.
Man muss Ideen in funktionierende Konzepte übersetzen, Prozesse durchdenken, Ergebnisse überprüfen, Fehler erkennen und immer wieder Entscheidungen treffen. Und manchmal muss man der KI auch ziemlich deutlich erklären, warum ihre vermeintlich geniale Lösung in der Praxis überhaupt nicht funktioniert.
Gerade bei musaik gab es unzählige Situationen, in denen etwas technisch zwar funktionierte, musikalisch aber überhaupt keinen Sinn ergab.
Eine KI kann Code schreiben. Aber sie weiß nicht automatisch, was einen guten DJ-Übergang ausmacht, warum ein bestimmter Break musikalisch wichtig ist oder weshalb zwei Tracks trotz identischer BPM und passender Tonart einfach nicht zusammen funktionieren.
Dieses Wissen, die Ideen und die Anforderungen musste ich selbst einbringen. Und natürlich auch sehr viel ausprobieren, testen, verwerfen und wieder von vorne anfangen.
Ich habe dabei übrigens selbst unglaublich viel gelernt. Über Softwarearchitektur, Algorithmen und technische Zusammenhänge, mit denen ich mich vorher in dieser Tiefe nie beschäftigt hatte.
Für mich ist KI deshalb weder ein Wundermittel noch etwas, dessen Einsatz man verschweigen müsste.
KI hat mir ermöglicht, meine Ideen in eine funktionierende Software zu verwandeln. Meine Erfahrung hat mir geholfen, diese Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen.
Und genau das finde ich an dieser Entwicklung so faszinierend: Menschen können heute Dinge erschaffen, für die ihnen früher schlicht die technischen Fähigkeiten oder finanziellen Mittel gefehlt hätten.
Nicht, weil die KI plötzlich alles kann, sondern weil sie dabei hilft, die eigenen Grenzen ein ganzes Stück zu verschieben.
musaik ist für mich das beste Beispiel dafür.
Und ganz ehrlich? Ich bin selbst manchmal überrascht, was aus dieser ursprünglich kleinen Idee mittlerweile geworden ist.
Wie aus einer kleinen Idee musaik wurde
Die ursprüngliche Idee hinter musaik war eigentlich ziemlich simpel.
Ich wollte eine Software entwickeln, die mir dabei hilft, Musik auf eine andere Art zu bearbeiten und neu zusammenzusetzen. Ein Werkzeug, das nicht nur einzelne Audiodateien betrachtet, sondern möglichst auch versteht, wie ein Song musikalisch aufgebaut ist.
Wo beginnt ein Break? Wann setzt der nächste Aufbau ein? Wo befindet sich der Drop? Welche Elemente passen harmonisch und rhythmisch zusammen?
Und vor allem: Wie kann man diese Informationen nutzen, um aus bestehenden Tracks etwas Neues entstehen zu lassen?
Am Anfang war musaik tatsächlich nur für mich selbst gedacht.
Aber wie das mit solchen Projekten häufig so ist: Man zeigt seine ersten Ergebnisse ein paar Freunden, diskutiert darüber, bekommt neue Ideen und stellt irgendwann fest, dass aus der ursprünglich kleinen Anwendung etwas deutlich Größeres werden könnte.
Genau das ist passiert.
Der Mashup Mode – und die Sache mit der Songstruktur
Relativ schnell wurde klar, dass der Mashup Mode viel mehr können sollte, als einfach zwei Tracks synchron abzuspielen.
Mein Ziel war, dass musaik die musikalische Struktur eines Songs möglichst zuverlässig erkennt und diese Informationen nutzt, um Tracks intelligent neu zu arrangieren.
Das klingt zunächst gar nicht so kompliziert.
Ist es aber. Glaubt mir. ;-)
Ich habe unglaublich viel Zeit damit verbracht, zu recherchieren, unterschiedliche Ansätze auszuprobieren, Musik zu analysieren und Ergebnisse immer wieder zu vergleichen.
Denn Musik folgt zwar häufig bestimmten Strukturen, aber eben längst nicht immer denselben Regeln. Was bei einem klassischen House-Track wunderbar funktioniert, kann bei einem Pop-Song schon wieder völlig anders aussehen.
Die automatische Erkennung und Bewertung von Songstrukturen war mit Abstand eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung von musaik.
Und ich möchte da auch ganz offen sein: Das System ist bis heute nicht perfekt.
Aber genau deshalb habe ich mich entschieden, einen anderen Weg zu gehen.
Nicht alles muss eine Blackbox sein
Anstatt sämtliche Entscheidungen der Software hinter irgendwelchen geheimen Algorithmen zu verstecken, wollte ich ein System schaffen, bei dem die Nutzer nachvollziehen können, wie bestimmte Ergebnisse zustande kommen.
Das Regelwerk, mit dem musaik arbeitet, ist deshalb einsehbar und lässt sich an die eigenen Anforderungen anpassen und optimieren.
Denn warum sollte jeder DJ oder Produzent mit exakt denselben Regeln arbeiten müssen?
Der eine bevorzugt lange, harmonische Übergänge. Der andere möchte möglichst schnell zum nächsten Drop. Und wieder jemand anderes hat ganz eigene Vorstellungen davon, wie ein Mashup aufgebaut sein sollte.
musaik soll diese unterschiedlichen Arbeitsweisen unterstützen, statt sie in ein starres Konzept zu pressen.
Und hier kommt auch die Community ins Spiel.
Durch den gemeinsamen Austausch, Feedback und die Möglichkeit, Erfahrungen und Optimierungen miteinander zu teilen, können wir die Ergebnisse Schritt für Schritt verbessern.
Ich glaube nämlich, dass wir gemeinsam deutlich mehr erreichen können, als wenn ich allein in meinem Studio versuche, für jede musikalische Situation die perfekte Lösung zu finden.
Aus einem Modus wurden plötzlich drei
Irgendwann während der Entwicklung kam mir dann ein ziemlich naheliegender Gedanke:
Wenn die Software ohnehin schon so viel über Musik weiß, warum sollte sie dann eigentlich nur Mashups erstellen können?
Schließlich möchte man manchmal gar keinen komplett neuen Track aus mehreren Songs zusammenbauen.
Manchmal will man einfach nur einen bestehenden Titel bearbeiten. Ein Intro verlängern, einen Break verkürzen, einen anderen Einstieg wählen oder das Arrangement für den nächsten DJ-Gig optimieren.
Also entstand der Edit Mode.
Ein eigenständiger Arbeitsbereich, mit dem sich Tracks bearbeiten und neu arrangieren lassen, ohne gleich ein komplettes Mashup erstellen zu müssen.
Und dann kam natürlich die nächste Idee.
Warum eigentlich mehrere Programme verwenden, wenn sich viele dieser Funktionen sinnvoll miteinander verbinden lassen?
Gerade beim DJ-Mixing kann es schließlich enorm hilfreich sein, wenn eine Software nicht nur BPM und Tonart kennt, sondern auch versteht, an welchen Stellen eines Songs ein Übergang musikalisch sinnvoll sein könnte.
Also wurde aus musaik zusätzlich ein Werkzeug zum Erstellen von DJ-Mixes.
Der DJ Mix Mode war geboren.
Und damit hatte sich die ursprüngliche Idee endgültig verselbstständigt.
Aus einem kleinen persönlichen Projekt war eine ziemlich umfangreiche Musiksoftware geworden, die heute drei unterschiedliche Arbeitsweisen miteinander verbindet:
- Mashup Mode: Tracks analysieren, musikalische Strukturen erkennen und daraus neue Arrangements und Mashups entwickeln.
- Edit Mode: Bestehende Songs bearbeiten, umstrukturieren und für den eigenen Einsatzzweck optimieren.
- DJ Mix Mode: Komplette DJ-Mixes erstellen und dabei die musikalische Analyse für passende Übergänge und ein stimmiges Arrangement nutzen.
Dazu kamen mit der Zeit ein eigener Synthesizer, Instrument-Spuren mit Akkordleiste und Harmonizer, ein Sampler und, wenn du willst, KI-Ideen für Melodien und Phrasen.
Das Schöne daran ist, dass alle drei Bereiche auf einer gemeinsamen technischen Grundlage aufbauen und voneinander profitieren können.
Ist musaik fertig? Natürlich nicht.
Wer selbst schon einmal Software entwickelt hat, kennt das wahrscheinlich.
Man denkt, eine Funktion sei fertig, und fünf Minuten später fällt einem etwas ein, das man unbedingt noch verbessern könnte.
So geht es mir mit musaik eigentlich ständig.
Und je intensiver ich mich mit den Möglichkeiten beschäftige, desto mehr Ideen entstehen.
Dabei möchte ich aber auch realistisch bleiben: Nicht jede automatische Analyse wird immer richtig liegen. Nicht jeder Übergang wird auf Anhieb perfekt sein. Und sicherlich gibt es noch viele Dinge, die wir besser machen können.
Aber genau das macht dieses Projekt für mich so spannend.
musaik soll kein starres Produkt sein, bei dem irgendwann jemand entscheidet, dass jetzt alles fertig ist.
Ich wünsche mir vielmehr ein Werkzeug, das mit seinen Nutzern wächst. Eine Software, die sich weiterentwickelt, offen für neue Ideen bleibt und bei der die Community tatsächlich etwas bewegen kann.
Deshalb freue ich mich über jedes konstruktive Feedback, über Verbesserungsvorschläge, neue Ideen und natürlich auch über Hinweise, wenn etwas noch nicht so funktioniert, wie es sollte.
Denn am Ende entwickeln wir die Software für Menschen, die genauso viel Spaß an Musik haben wie ich.
Und wer weiß, auf welche Ideen wir gemeinsam noch kommen?
Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen
Auch wenn ich unzählige Stunden selbst an musaik gearbeitet habe, wäre das Projekt ohne die Unterstützung einiger großartiger Menschen nicht dort, wo es heute steht.
Ein großes Dankeschön geht an Jay Frog und Clark Wohlert, die mich mit ihren Ideen, Erfahrungen, ehrlichem Feedback und vielen Diskussionen während der Entwicklung unterstützt haben.
Ein ganz besonderer Dank geht an Chris-Oliver Götzki, der mich bei der Entwicklung des Harmonizers tatkräftig unterstützt und dabei wertvolles musikalisches und technisches Wissen eingebracht hat.
Und dann wäre da natürlich noch meine Frau.
Die hat über einen ziemlich langen Zeitraum ertragen müssen, dass ich nach einem ganz normalen Arbeitstag abends wieder in meinem Studio verschwunden bin, um „nur noch schnell eine Kleinigkeit“ an musaik zu verbessern.
Aus dieser Kleinigkeit wurden dann regelmäßig mehrere Stunden.
Und aus ein paar Wochen Entwicklungszeit ... na ja, reden wir lieber nicht darüber. ;-)
Danke für deine Geduld, dein Verständnis und dafür, dass du mich einfach machen lässt. ❤️
Und jetzt seid ihr dran!
Ich hoffe, dass euch musaik genauso viel Freude bereitet wie mir die Entwicklung.
Vielleicht hilft euch die Software dabei, neue kreative Ideen umzusetzen. Vielleicht entdeckt ihr Möglichkeiten, auf die ihr vorher gar nicht gekommen wärt. Oder vielleicht spart ihr einfach eine Menge Zeit bei Dingen, die bisher ziemlich mühsam waren.
Wenn das gelingt, hat sich die ganze Arbeit für mich bereits gelohnt.
Ich freue mich darauf, musaik gemeinsam mit euch weiterzuentwickeln.
Keep making music. Stay creative. And have fun!
Mathias
Slippy Beats / DJ MAUI